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Typen und Vorbilder für den Nachwuchs


12.11.2009 - Fellbacher Zeitung
 
Handball Martin Mössner will als Jugendkoordinator "Handball - made in Fellbach" zur Marke machen. Von Eva Herschmann
 
Die meisten Jungs zwischen 13 und 15 Jahren liegen um diese Uhrzeit noch im Bett. Es ist Samstagmorgen. Schulfrei. Doch für Julian Neukamm, Pascal Liening oder Alexander Braun und sieben weitere Nachwuchs-Handballer vom Sportverein Fellbach ist früh aufstehen angesagt. Martin Mössner, der neue Jugendkoordinator der Handballabteilung, schiebt mit den Ballbegabten eine Sonderschicht. Alle 14 Tage sammelt Martin Mössner Jungen aus drei Jahrgängen für den Feinschliff um sich. "Und vom nächsten Mal an kommen auch die Mädchen zum Fördertraining dazu." Als Unterstützung wird ihm Martina Neß, die Fellbacherin, die jetzt bei den Frauen des TSV Schmiden in der Württemberg-Liga spielt, zur Seite stehen.
 
 
 
41 Jahre ist der frühere Fellbacher Handballtorwart alt und nach einigen Stationen im Umkreis - unter anderem beim TSV Schmiden oder TV Oppenweiler - wieder bei "meinem Heimatverein" gelandet. Als Verantwortlicher für die Jugendarbeit will Martin Mössner "Handball - made in Fellbach" zur Marke machen. "Meine Vision ist, dass die Zuschauer allein schon an der Spielauffassung, an der Art, wie das Team auftritt, erkennen, dass es vom SVF kommt."
 
 
 
Natürlich strebt Martin Mössner sportliche Erfolge an. Aber nicht nur. "Eine gute Jugendarbeit lässt sich nicht nur an Siegen ablesen." Konstanz und Kontinuität zählen für den einst so ehrgeizigen Schlussmann und Diplom-Sozialpädagogen ebenfalls. Martin Mössner hofft, dass es mit seinem Konzept gelingt, Jugendliche am Ball zu halten und sogar in ehrenamtliche Tätigkeiten einzubinden. "Zumal dann alle - Trainer, Betreuer, Verein und Umfeld - an einem Strang ziehen." Ein Paradebeispiel eines Fellbacher Spielers ist schon jetzt Timo Kelle. Wie den 24-Jährigen wünscht sich Martin Mössner viele Spieler. "Er hat bei uns als Mini-Handballer begonnen, spielt jetzt bei den Männern und ist Jugendtrainer." Solche Typen, die sich mit dem Verein identifizieren, dienten am besten als Vorbilder, sagt Mössner. Auch Martin Mössner taugt als Vorbild. Seine Erfahrungen als Spieler und aus 25 Jahren Trainertätigkeit bei der Jugend und den Erwachsenen und seine Vorstellungen vom Idealzustand hat Martin Mössner in seinem Jugendkonzept "Handball - made in Fellbach" zusammengefasst. Es dient als Leitfaden für die Trainingsarbeit mit den derzeit 145 Mädchen und Jungen in elf Jugendteams. In dem 45-Seiten-Werk werden die Trainingsinhalte für jede Altersklasse definiert. Vor allem aber legt Mössner die grundsätzlichen Ziele für die Nachwuchsarbeit fest und erklärt die Spielauffassung des SV Fellbach. "Für uns ist Handball eine umfassende Entwicklung der Persönlichkeit."
 
 
 
Die Eltern hat Martin Mössner bereits auf das neue Konzept eingeschworen. "Zum Elternabend vergangene Woche kamen 60 Mütter und Väter, ich war überwältigt", sagt der Aufbauhelfer Handball. Damit die Umsetzung in der Sporthalle klappt, werden die Jugendtrainer vom Jugendkoordinator intern fortgebildet. Externe Schulungen, Trainingsbesuche, Hospitationen sind in der Konzeption ebenso vorgesehen. Die Betreuer sollen vorbereitet sein - auf schwierige Phasen im Spiel, aber auch im Leben. "Wir wollen den Dropout-Effekt, der stets zur Pubertät einsetzt, verhindern, und dazu gehört mehr als Sport", sagt Martin Mössner. Er will, dass sich Jugendliche in der Abteilung zu Hause fühlen. "Der SVF soll immer ihre Handballfamilie sein, auch wenn sie mal woanders Erfahrungen sammeln."
 
 
 
Noch spielen sich die Jungs warm: Handball bis zum Siebenmeterraum, dann ist die Ballberührung nur noch mit Füßen gestattet. Martin Mössner ist zufrieden. Junge Spieler wie Julian Neukamm, Pascal Liening oder Alexander Braun, die samstags statt in den Federn liegen zu bleiben am Ball sind, sind geeignete Protagonisten für die Marke "Handball - made in Fellbach".